Eiserner Wille trägt Markus Hörmann 
beim Challenge Roth ins Ziel

Markus Hörmann auf dem Weg durch die Rother Innenstadt. Auch dank der großartige Stimmung am Streckenrand gewann er den mentalen Kampf gegen den eigenen Körper und landete im Ziel völlig erschöpft auf Platz 15.  (Fotos: Alexander Fuchs)

Der Tölzer Profitriathlet mischt bis zur Laufstrecke vorne mit und landet nach langem Kampf gegen den eigenen Körper auf Platz 15 in einer Zeit von 8:29:02 Stunden.

Der Challenge Roth, das größte Event der Welt über die Triathlon-Langdistanz, war auch in diesem Jahr wieder einmal Schauplatz für Höchstleistungen von über 5000 Athleten. Mittendrin Markus Hörmann, der am vergangenen Sonntag bereits zum dritten Mal teilnahm und als einer von 50 Profis an den Start ging. Neben den beiden deutschen Top-Favoriten Andreas Dreitz und Andi Böcherer hatten sich auch zahlreiche internationale Ausnahmeathleten im fränkischen Roth versammelt. Alleine sechs Starter aus den Top 10 der vergangenen Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii durften sich ebenfalls Hoffnungen auf den Sieg machen und komplettierten das wohl stärkste Teilnehmerfeld seit Jahren.

Der Sonntagmorgen begann für die Profis alles andere als entspannt. Aufgrund der zu warmen Wassertemperatur im Main-Donau-Kanal in Hilpoltstein musste ohne Neoprenanzug geschwommen werden, zudem begann es vor dem Start entgegen aller Wettervorhersagen an zu regnen. Um 6:30 Uhr ging es für Markus Hörmann und seine Kollegen los, mit einem lauten Kanonenschlag wurden sie auf die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke geschickt. Nach einem kurzen Schlagabtausch mit seinem Nebenmann fand er schnell in seinen Rhythmus und machte sich auf die Reise. Zusammen mit dem Sieger aus 2017, dem Belgier Bart Aernouts, sowie den beiden Deutschen Johannes Moldan und Lukas Krämer stieg der Athlet des WSV Bad Tölz nach 56 Minuten aus dem Wasser. Mit der besten Wechselzeit des Tages und knapp über 7 Minuten Rückstand auf den Führenden ging es für ihn auf die 180 Kilometer lange Radstrecke, welche über zwei Runden durch den Landkreis Roth führte.

Von Beginn an brachte der 29-Jährige aus Bad Tölz viel Druck auf die Pedale und konnte so von Position 15 aus schnell Boden nach vorne gut machen. Die nasse und windige Strecke machte das Radfahren zwar etwas langsamer, aufgrund der zahlreichen Stimmungsnester jedoch nicht weniger spektakulär. Am Solarer Berg bildeten traditionell tausende Menschen eine enge und lautstarke Gasse für die Radfahrer, wie man es sonst nur von Bergetappen der Tour de France kennt. Dort blieben selbst gestandene Profis nicht von einer Gänsehaut verschont. Auf der zweiten Runde arbeitete sich Hörmann bis auf Platz 11 vor und verschaffte sich somit eine gute Ausgangsposition für den anstehenden Marathon über 42 Kilometer.

Nach dem Wechsel in die Laufschuhe hielt er sich die ersten Kilometer entlang des Main-Donau-Kanals in Schlagdistanz auf eine vordere Platzierung. Ab Laufkilometer 15 musste er jedoch den wechselhaften Bedingungen sowie dem schnellen Rennen Tribut zollen und so begann für ihn nun der schmerzhafte Teil des Tages. Das Duell lautete ab diesem Zeitpunkt nicht mehr Hörmann gegen die Weltelite, sondern Kopf gegen Körper, weiterlaufen oder aussteigen. Die erhoffte zweite Luft blieb aus und so war der mentale Kampf bis ins Ziel treuer Begleiter des Markus Hörmann.

Derweil krönte sein befreundeter Kollege Andreas Dreitz sein Rennen mit dem Heimsieg im tobenden Triathlonstadion in Roth vor dem Schweden Jesper Svensson und dem Australier Cameron Wurf. Knapp achteinhalb Stunden nach dem Beginn seines Arbeitstages taumelte Hörmann der Ziellinie entgegen und brach danach entkräftet zusammen. Renndirektor Felix Walchshöfer mit Schwester Kathrin sowie das Bayerische Rote Kreuz kümmerten sich schnell um den Tölzer Publikumsliebling und brachten ihn ins Versorgungszelt vor Ort. Eine Stunde und eine Infusion später war er bereits wieder auf den Füßen und sichtbar stolz den Kampf gegen den eigenen Körper gewonnen zu haben. Mehrere Top-Athleten, unter anderem auch Ironman-Sieger und Favoriten wie der Deutsche Andi Böcherer oder der Neuseeländer Braden Currie, hatten diesen harten Wettkampf teilweise gehend oder gar nicht erst zu Ende gebracht. Damit muss man die Gesamtzeit und den 15. Platz Hörmanns noch einmal höher bewerten.

Für den Tölzer Eisenmann geht es nach einer kurzen Regenerationsphase in zwei Wochen bereits zum nächsten Rennen. Im Rahmen der Spirit Triathlon Serie startet er in den französischen Alpen beim Triathlon rund um Alpe d’Huez. Jede Menge Höhenmeter, zahlreiche Spitzkehren und ein Hauch von Tour de France warten dort auf den bayerischen Vorzeigeprofi.

Markus Hörmann über sein Rennen: „Nach einem guten Schwimmen und einer Weltklasseleistung auf dem Rad hatte ich mir echte Chancen auf eine Top-Platzierung ausgerechnet. Jedoch musste ich ab der zweiten Hälfte der Laufstrecke schnell erkennen, dass Höhen und Tiefen bei einem so langen Wettkampf nah beieinander liegen. Mein Körper wollte aufhören zu laufen, mein Kopf hatte sich dennoch bis ins Ziel dagegen gewehrt. Mit meinem Ergebnis bin ich unter diesen Umständen sehr zufrieden, der mentale Sieg macht mich sehr stolz und gibt mir ein gutes Gefühl für die nächsten langen und harten Rennen. Mein Dank geht an dieser Stelle auch an Felix und Kathrin Walchshöfer sowie dem Bayerischen Roten Kreuz für die schnelle Hilfe!“